England als Mutterland der geordneten Hundezucht
Der Mensch hat, lange bevor es geordnete Aufzeichnungen über die Zucht von Tieren gab, sich die Eigenschaften des Wolfes zunutze gemacht. Als Jagdgefährte war er unentbehrlich und konnte dem Menschen mit seinen besonderen Fähigkeiten bei der täglichen Nahrungssuche unterstützen.
Im Laufe von Jahrtausenden wurde der Hund immer wertvoller für den Menschen. Es entwickelten sich verschiedene Rassen mit spezialisierten Eigenschaften und besonderem Charakter, die den Menschen bei seiner täglichen Arbeit unterstützten. Allerdings gab es keine einheitlichen Rassestandards. Rassestandards waren nicht nur wichtig, um die Eigenschaften eines bestimmten Hundetypus zu definieren, sondern auch, um die Entwicklung der Rassen gesund zu erhalten.
Queen Victoria – Matrone mit Hang zur Ordnung

Hethitische Tontafeln
Sog. Herdbücher (Zuchtbücher), in denen Abstammungsnachweise von Zuchttieren, Tierfamilien aufgezeichnet wurden, kennen wir schon aus dem 2. Jahrtausend vor Christus. Es gibt
Zuchtbücher in hethitischer Sprache, die auf das 14. Jh. vor Christus zurückgehen. Das Hethiterreich liegt im heutigen Kleinasien und die Zuchtbücher wurden mittels Keilschrift auf Tontafeln geritzt.

Hunde Queen Victoria
Zuchtbücher haben sich durch alle Jahrtausende weiterentwickelt. Als Ursprung des noch heute überall geführten Zuchtbuches kann man das englische general stood book ansehen. Dieses Herdbuch, das aus der englischen Pferdezucht kommt, wird seit des Victorianischen Zeitalters ebenso für die Hundezucht verwendet.
Queen Victoria hielt nicht nur Jack Russel, sondern auch Dackel, einen sehr berühmten Collie namens Sharp, Spitze und weitere Hunde. Ebenso einen Pagagei. Diese Tatsache wird nicht nur durch dieses eine Foto belegt, sondern auch durch zahlreiche Gemälde, in denen sie in verschiedenen Lebensphasen mit ihren Tieren abgebildet wurde.
Die Folgen der Rassestandards – Hunde als Statussymbole
Hunde waren und sind auch Statussymbole. Umso mehr in unserer Vergangenheit. Kennen wir von Bismarck die Doggen, mit denen er sich stets umgab, so kennen wir die kleinwüchsigen Rassen als Begleiter adeliger oder reicher Damen. Die Kleinhunde wurden getragen wie ein Accessoire, das sie ja auch waren und der Trend vergangener Zeiten geht soweit, dass es nötig war, den Hund in die gleichen Farben und Stoffe zu kleiden wie seine Halterin.
Mit Aufkommen der Fotografie sind diese Trends sehr gut dokumentiert und stehen uns heute zur Verfügung. Nicht nur die adeligen Damen Europas “kleideten” sich in Kleinhund, auch in New York wurde waren Hunde kleinwüchsiger Rassen ein modisches Accessoire und es gibt noch zahlreich erhaltene Fotos aus dieser Zeit. Darauf sind zumeist wohlhabende New Yorkerinnen mit ihren Hunden abgebildet.
Bis in die heutige Zeit hinein ist bei vielen dieser alten Fotos eine genaue Indentifierung der darauf Abgebildeten gesichert. Auf diesem Foto aus dem Jahre 1930 sehen wir Gladys Moncrieff mit ihrem Pekinesen und Spitz. Das Foto gibt sehr gut den Zeitgeist wieder und die Bedeutung, die bestimmte Hunderassen innerhalb bestimmter Gesellschaftsschichten hatten. Gladys lebte in Sidney (Australien) und war eine berühmte Musicaldarstellerin.
Hunde verrichteten also nicht mehr nur Arbeit für den Menschen und begleiteten ihn auf der Jagd oder waren eine Hilfe bei den Herden, sondern sie konnten sich ihren Platz immer näher an den Herzen der Menschen erobern. Auch große Zeitungen bemerkten diesen veränderten Status, schließlich handelte es sich dabei um ein gesellschaftliches Ereignis. Dieses Foto entstand 1905 und war der New York Times eine ganze Seite wert. Auch der Name des kleinen Mädchens ist überliefert: sie hieß Phillys.
Der durch Queen Victoria iniierte Rassestandard hatte zog noch eine andere Konsequenz nach sich. Der Mensch konnte in Wettbewerb treten. Durch die Festlegung eines Standards werden Dinge (in unserem Fall Hunde) miteinander vergleichbar. Wenn auch die Beurteilung von subjektiven Merkmalen, wie sie ein Rassestandard vorsieht, sehr schwierig ist. Die meisten Zuchtkriterien sind nicht messbar, von der Widerristhöhe und dem Gewicht mal abgesehen. Es bedarf also viel Erfahrung.
Hier ein Auszug aus einem Rassestandard. Dabei handelt es sich hier für einen Laien noch um relativ nachvollziehbare Merkmale, weil gewisse Messpunkte angegeben sind. Aber diese Definition macht eben auch deutlich, dass natürlich die Größe eines Hundes variieren kann, wie bei allen Lebewesen.
· Quadratischer Bau, wobei die Widerristhöhe etwa der Rumpflänge entspricht.
· Die Gesamtlänge des Kopfes (Nasenspitze bis Hinterhauptbein) entspricht der Hälfte der Rückenlänge (Widerrist bis Rutenansatz).
Auch die Forschung am Hund entstand, die allerdings, wie wir wissen, auch nicht immer das Wohl des Hundes im Auge hatte. Das Foto oben links zeigt zwei amerikanische Wissenschaftler bei der Begutachtung eines Hundes.
Zucht Heute
Vor kurzem gab es einen Aufruf , den sog. Dortmunder Apell für eine Wende in der Hundezucht. Inzucht, Erbkrankheiten und Qualzuchtmerkmale sind nur einige der Punkte, die dort thematisiert werden.
Man kann also sagen, dass die Hundezucht heute einer Prüfung unterzogen werden muss, um die Gesundheit einiger Rassen erstmal wieder grundlegend zu verbessern, eine Rückzüchtung quasi. Und den Fortbestand von Rassen, die als gesund gelten, dauerhaft zu sichern.
Diese Petition wird innerhalb mancher Gruppierungen der Züchterverbände nicht gerne gesehen. Man sieht sich offensichtlich zu stark reglementiert, und will sich nicht in den Geldbeutel greifen lassen. Diesem Aufruf zur Wende im Zuchtwesen sind nicht nur Hundeliebhaber gefolgt, sondern auch renommiertet Experten im Hinblick auf die Hundezucht. Und selbstverändlich auch einige Züchter, wobei sich von den Züchtern bei weitem nicht alle öffentlich der Petition anschließen konnten oder wollten, was verständlich ist.
Aufgrund des öffentlichen Bekenntnisses zu dieser Wende in der Hundezucht berichten Züchter, dass es innerhalb verschiedener Zuchtverbände zu Anfeindungen gekommen ist, weil sich Züchter, die ihre Sache seriös und ernsthaft vorantreiben, öffentlich diesem Aufruf angeschlossen haben.
Das sagt viel über die Politik zumindest einzelner Züchter. Wir werden erst in den kommenden Jahren dokumentieren können, ob eine derartige Petition sich langfristig durchsetzen kann. Es bleibt zu hoffen…..
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