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Verzehr von Hundefleisch in China

Februar 23, 2010  |  Tierschutz  |  Share  | 

Verbietet die beabsichtigte Gesetzesänderung in China wirklich den Verzehr von Hundefleisch oder ist es eher ein Sturm in Wassernapf?

Augenblicklich wird weltweit positiv begrüsst, dass China ein Tierschutzgesetz einführen will, dass den Verzehr von Hundefleisch verbietet. Bei näherer Betrachtung stellt sich allerdings heraus, dass dieses Tierschutzgesetz keinesfalls den Verzehr von Hundefleisch verbietet. Die Zusammenhänge gibt es hier.

Der Gesetztesentwurf besagt, dass Personen, die illegal den Konsum oder den Verkauf von Hundefleisch betreiben, mit einer Geldstrafe bis zu 5000 Yuan (das sind  ca. 540,– Euro) und mit einer Gefängnisstrafe bis zu 15 Tagen belegt werden können, gefolgt von einer Reueerklärung (!!!).

Genau diese Definition des illegalen Konsums ist die Begrifflichkeit, die Fragen aufwirft. Denn explizit wird hier nicht von einem Verbot gesprochen, sondern von einer Person, die Hundefleisch illegal vertreibt, was den Spielraum offenlässt, dass es unter bestimmten Umständen doch legal ist, Hundefleisch zu verzehren.

Das Chinesische Tierschutzgesetz und seine Scheinheiligkeit

Inzwischen musste die Regierung in Peking den eigenen Reportern im Land erklären, was sie unter illegalem Konsum versteht.

Bei diesem Tierschutzgesetz, das erlassen werden soll, handelt es sich keineswegs um ein generelles Verbot, sondern um eine grobe Richtung, deren genaue Einhaltung oder eben auch nicht durch die kommunalen Regierungsstellen festgelegt werden muss.

Damit lässt Peking sich eine Hintertür offen, denn beispielsweise im Nordosten Chinas leben viele Koreaner. In Korea hat es lange Tradition, Hundefleisch zu verzehren. Peking spricht davon, dass es Volksbrauch innerhalb dieser ethnischen Gruppe sei, Hunde zu essen. Insofern, so Regierungsstellen, ist es in Nordostchina legal, Hunde zu verzehren, andernsorts aber nicht bzw. die regionalen Behörden haben dieses festzulegen.

Der Verzehr von Haustieren und der Unterschied in der Betrachtungsweise

Immer wieder wird von Journalisten und auch anderen in den chinesischen Medien angeführt, dass es aufgrund kultureller Unterschiede auch differenzierte Essgewohnheiten gibt. Es wird auf den religiösen Aspekt hingewiesen, beispielsweise auf die unterschiedliche Betrachungsweise von Hunden, Schweinen oder auch Kühen in verschiedenen Religionen.

Es wird die Frage aufgeworfen, inwieweit dann ein Unterschied besteht, diese Schritt auch auf Hunde und Katzen anzuwenden.

Die Sichtweise von Insidern

Innerhalb dieser ganzen Diskussion, die sich in China und weltweit ereifert, muten andere Erlasse der Regierung wie der fleischgewordene Wiederspruch an:

      • ein Erlass für die Tierhygiene
      • das Verbot, Tiere zum Zwecke des Glücksspiels oder der Unterhaltung zu manipulieren oder zu quälen
      • Verbot von der Verwendung von Speiseabfällen in der Herstellung von Tierfutter
      • Töten von Tieren in pädagogischen Experimenten

Wu Jiang brachte es in einem Kommentar in der New York Times auf einen Nenner.

Ein Nenner, der sehr viel Zuspruch erhielt, aber aus westlicher Sicht dennoch nicht so ganz nachvollzogen werden kann.

Was China braucht, ist kein Tierschutzgesetz, welches den neuesten Standards und Sichtweisen in der gesamten Welt entspricht. China braucht tierschutzrechtliche Regelungen, die der chinesischen Realität angemessen sind und allgemeine Akzeptanz finden.

Und dieser Satz macht das ganze Ausmaß der Misere deutlich.

Wir müssen uns die Frage stellen, was die chinesische Realität ist und die allgemeine Akzeptanz, die unmittelbar damit in Verbindung steht, um den ganzen Sachverhalt zu begreifen.

China ist ein gespaltenes Land, was den Tierschutzgedanken generell betrifft.

Der Widerspruch kann sehr einfach visuell dargestellt werden, was im nächsten Absatz geschieht.

Die chinesische Realität

Die chinesische Realität umschreibt ein sehr großes Spektrum, welches ständig zwischen der Moderne und jahrtausendealter Tradition schwankt. Man kann nicht davon sprechen, dass die jüngere Generation der Moderne verhaftet wäre und ausschließlich die ältere Generation noch den Traditionen nachhängt. Das würde bedeuten, dass sich China längst politisch weiter geöffnet hätte, was nicht der Fall ist.

Auch das angebliche Tierschutzgesetz der chinesischen Regierung sieht sich großer Kritik ausgesetzt. Es gibt in China einflußreiche Stimmen, die bemängeln, dass dieses Gesetz zu sehr dem westlichen Standard entspricht. Um es kurz zu machen, man will Wirtschaftswachstum, man ist gezwungen, mit dem Westen zu handeln, ansonsten möchte man sich aber nicht so ohne Weiteres westlichen Werten beugen. Das betrifft auch den Tierschutzgedanken, auch die Verwendung von Tieren nicht nur als Nahrung sondern auch in der traditionellen chinesischen Medizin. Auch dort werden Tiere ein lebenlang qualvoll gepfercht, mit Sonden versehen beispielsweise, ohne Bewegungsmöglichkeit, um die Leber anzuzapfen………der Beispiele gibt es viele.



Gebratene Hunde

Gebratene Hunde



Hundetransport-China-@kilroy238

Hundetransport



TierschutzDemo

TierschutzDemo



Haustiere, speziell Hunde haben in China einen sehr unterschiedlichen Stellenwert. Während sie einerseits auch in Großstädten geschlachtet, gepfercht werden, werden sie von einem Teil der Bevölkerung auch als Nahrungsmittel angesehen.



Macau Illuminiert

Macau Illuminiert



Shanghai Skyline

Shanghai Skyline



Historische Architektur

Bauwerke



Wie überall auf der Welt gelten Skylines und Skycraper als der Inbegriff von Wirtschaftsmacht und Reichtum. In China paart sich das mit einer jahrtausendelangen Architektur, auf deren Erhaltung die Behörden sehr viel Wert legen.




 

Dai Girls
Dai Girls
Strassengewerbe
Strassengewerbe
Teetradition
Teetradition

 


Die Landbevölkerung ist gezwungen, sich ihre Nischen zu suchen, in denen sie den Lebensunterhalt verdienen kann. Rücksicht auf Hygiene, Gesundheit, Sicherheit kann dort nicht genommen werden. Die Wurzeln der chinesischen Bevölkerung reichen weit zurück und durch die lange politische Isolation haben sich diese Wurzeln womöglich stärker erhalten als das andernorts der Fall gewesen wäre.

Die Prognose für das Tierschutzgesetz in China

Die Prognose für das Tierschutzgesetz ist nicht gut. Wegen der großen Nähe zu westlichen Standards, was den Tierschutz betrifft, wird es von großen Teilen der Bevölkerung abgelehnt. was den Behörden sicher nicht unrecht ist. Hat sie doch damit eine Gegenbewegung im eigenen Land vorzuweisen und kann sich darauf berufen.

Was jahrtausendelang in der Kultur eines Landes gewachsen ist, kann, und könnte auch anderswo nicht, durch ein bloßes Gesetz geändert werden. Nicht in der Schnelligkeit, wie wir das vielleicht in unserer westlichen Welt erwarten würden.

Die grundsätzliche Sache, den kommunalen Behörden die Auslegung oder Durchführung eines Gesetzes zu erlassen, ist keine chinesische Erfindung. So etwas gibt es auch bei uns. Wir erinnern uns an den zum 1. Januar 2010 erlassenen Maulkorbzwang in Berlin auch für kleine Rassen. Der Gesetzgeber gibt das Werkzeug und einen Handlungsspielraum, die regionalen Behörden können anhand des Handlungsspielraumes dem Gesetz Geltung verschaffen oder auch zunächst darauf verzichten.

Das Problem wird sich nicht kurzfristig und auch nicht in den nächsten Jahren konkret lösen lassen in China. Es sei denn, die Regierung in Peking würde ein generelles Verbot für den Verzehr von Hundefleisch durchsetzen, was sie nicht tun wird. Sie würde damit altes Kulturgut außer Kraft setzen.

Was können die chinesischen Tierschützer tun?

Sie können weiter ihren Gedanken des Tierschutzes in die Öffentlichkeit tragen und weiter dafür sorgen, dass das Thema nicht in Vergessenheit gerät. Unterstützung haben sie, auch in der Bevölkerung, denn wir wollen nicht vergessen, dass es in China auch Hundehalter gibt, die ihrem Hausgenossen den Stellenwert einräumen wie hierzulande.

Grundsätzlich ist aber zu sagen, dass ein Umdenken ein langwieriger Prozess ist, der stets im Dialog erarbeitet werden muss. Das ist schon in Deutschland nicht einfach, man denke an so manche unsachliche Debatte zwischen Tierschützern und Jägern beispielsweise.

Was können Touristen tun?





Hunde werden erschlagen

Hunde werden erschlagen






Ist es sinnvoll, bei einem Chinabesuch auf einem Markt einem Händler seinen Käfig mit Welpen anzukaufen, die Tiere irgendwo auszusetzen und zu glauben, die kämen schon irgendwie als Strassenhunde durch?

China hat viele Probleme, aber das der Strassenhunde gehört sicher nicht dazu, sie werden eingefangen und dienen kulinarischen Zwecken.

Macht es Sinn, sich als Touristengruppe zu organisieren und einen Hundetransport anzugreifen, um die Tiere zu befreien? Wenn Sie nicht Schaden nehmen wollen, kann man dazu nur sagen: nein, im Gegenteil: es ist äußerst gefährlich.







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Glauben Sie ernsthaft, dass Menschen, die zu solchen Handlungen fähig sind (und ich zeige hier nur Fotos, die gerade noch vertretbar erscheinen um diesen Missstand zu dokumentieren), Sie wieder ausreisen lassen würden, ohne dass Sie mind. ein landesübliches Krankenhaus von innen gesehen hätten. Übrigens: die Männer der Tat auf diesem Foto sind Polizisten….Es taucht die Frage in diesem Zusammenhang auf, warum die Hunde nicht wenigstens auf humanerem Wege getötet werden. Die Antwort ist sehr simpel und auch sehr erschreckend in unserer westlichen Vorstellung: ein Lebewesen, welches unter großem Adrenalinschub sterben muss (und meistens dauern diese grausamen Vorgänge länger), wird anschließend bei der Zubereitung zart. Daher werden Hunde dort erschlagen oder auch stranguliert. Beides löst Todesangst bei den Tieren aus und große Mengen an Adrenalin werden ausgeschüttet.

Wenn Sie wirklich den Tierschutzgedanken verinnerlicht haben und an solchen Misständen nicht durch die bloße Anwesenheit im Land teilhaben wollen: FLIEGEN SIE EINFACH NICHT NACH CHINA.

Was können wir alle zusammen tun?







Schnauzerfoto-Fazit-Resumee

The Author







Es ist eine sehr großes, in der westlichen Welt vor allem emotionales Problem, das wir mit diesen Bestimmung und Behandlung von Tieren haben, denen in unseren Augen ein vollkommen anderer Stellenwert zukommt.

Wir müssen aber in der Diskussion sachlich bleiben und diejenigen Institutionen unterstützen, die sich professionell mit diesem Thema auseinandersetzen. Auch große Tierschutzorganisationen neigen oftmals bei dieser Problematik in China zu Polemik. Polemik mag  ja gut sein, um Emotionen zu entfachen, sie verschleiert aber letztendlich den Blick für das Wesentliche.

Wir setzen keinen Denkprozess Ingang, indem wir unserer bloßen Entrüstung Ausdruck verleihen, uns im Tonfall und in der Wortwahl vergreifen und am Ende keinen klaren Gedanken mehr fassen können, weil uns die Nerven bei einem bestimmten Thema durchgehen.

Auch wenn es übertrieben klingt an dieser Stelle: große Veränderungen in der Geschichte sind niemals zustande gekommen, weil sich politische Führer emotional in die Haare geraten sind. Es gab stets eine diplomatische Annäherung, die sich oft über sehr lange Zeiträume erstreckte. Wer es mit Doktrin versucht hat, ist oftmals gescheitert. Wer es mit Arroganz versucht hat, ist oftmals gescheitert. Landgewinnung durch Kriege beispielsweise waren und sind durch Manpower, Taktik und Siegeswillen zwar unter großen Verlusten möglich.

Es ist in unseren Augen Tierquälerei, aber es ist auch ein sehr großer kultureller Unterschied. Geschichtlich gesehen, gibt es übrigens Vermutungen, dass unsere Vorfahren, auch hier in Europa, die ersten Hunde, in deren Vermehrung sie selber eingegriffen haben, nicht so sehr wegen ihrer Jagdfähigkeiten hielten, sondern auch als Fleischlieferant für schlechte Zeiten.

Wenden Sie sich also an die richtigen Stellen, organisieren Sie Petitionen, beteiligen Sie sich an Email Aktionen im Internet, schreiben Sie den chinesischen Botschafter, Seine Exzellenz Wu Hongbo an. Gehen Sie ganz klar in die Außendarstellung und lassen Sie die chinesische Regierung wissen, und somit auch die Bevölkerung, dass WIR die Dinge anders sehen. Aber bleiben Sie sachlich.

 

 

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